Blüten

Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche – Die Bedeutung von Ostara im Jahreskreis

Zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst gibt es einen Zeitpunkt, an dem sich Licht und Dunkel die Waage halten: Tag und Nacht sind dann etwa gleich lang. Dieser Zeitpunkt wird Tag- und Nachtgleiche oder Äquinoktium genannt. Rund um den 20./21. März findet die Frühlings-Tag-und Nachtgleiche statt, die den astronomischen Frühlingsbeginn markiert. Ab diesem Moment werden die Tage wieder länger als die Nächte.

Doch die Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche ist nicht nur ein astronomisches Ereignis. Auch unsere europäischen Vorfahren erkannten in dieser Zeit einen Neubeginn: Nach den stillen Wintermonaten beginnt sich nun das Leben wieder zu regen. Die Sonne gewinnt an Kraft, Knospen stehen kurz vor dem Aufbrechen und die ersten Frühjahrsblüher zeigen sich: Krokus, Veilchen, Schlüsselblume & co kündigen an, dass die Natur nun erwacht und die Landschaft langsam wieder grün wird. Und auch Tiere werden aktiver: Bienen fliegen wieder aus und Vögel beginnen mit dem Nestbau.

Diese Veränderungen zeigen uns auch heute noch, dass ein neuer Zyklus beginnt.

Biene und Bluete

Ostara - der Beginn eines neuen Zyklus

Viele alte und neue Traditionen verbinden den Start in den Frühling mit dem Thema Erneuerung. Die christliche Passionszeit, Karfreitag und das Osterfest fällt nicht zufällig genau in diesen Zeitraum. Der Leidensweg Jesu, sein Tod am Kreuz und seine Wiederauferstehung erzählen von einem Übergang: der Transformation von Mensch zu Gott, von Tod zu Leben, von Dunkelheit zu Licht. Aber bereits vor dem Christentum nahmen unsere Vorfahren diese Veränderungen im Jahreszyklus wahr. Der keltische Jahreskreis, der zwar erst im 18. Jahrhundert entwickelt wurde, bezieht sich auf die alten europäischen Sonnen- und Mondfeste. Die Frühlings-Tag-und Nachtgleiche  wurde Alban Eiler (= Licht der Erde) genannt. Im germanischen Neuheidentum und in der Wicca-Kultur aus dem 20. Jahrhundert wurde dieser keltische Jahreskreis erneut belebt und die Frühlings-Tag-und Nachtgleiche Ostara genannt. Als eines der acht Jahreskreisfeste steht Alban Eiler /  Ostara für die Wiedergeburt (=Auferstehung) der Natur.

Denn die Natur zeigt uns jedes Jahr aufs Neue: wir befinden uns in einem Zyklus von Rückzug und Wachstum, von Vergehen und Werden. Bevor Pflanzen beginnen zu wachsen, richten sie sich aus. Bevor Knospen aufbrechen, sammeln sie Kraft.

Die Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche erinnert uns -egal unter welchem Namen, welcher Kultur oder Religion- also daran, dass auch in unserem Leben Rückzug, Stille und Loslassen der Ausgangspunkt für Veränderung und (persönlichen) Wachstum ist.  Und vielleicht ist diese Zeit zwischen Stille (Winter) und Aktion (Sommer) weniger ein Moment des sofortigen Handelns, sondern eher eine Einladung, sich innerlich neu auszurichten.

Mut zum Neubeginn

Die Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche markiert nicht nur den kalendarischen Frühling, sondern auch den Beginn des astrologischen Jahres. Die Sonne tritt nun in das erste Zeichen des Tierkreises ein: Widder. Und die Widder-Energie steht für Aufbruch, Mut und Neubeginn. Sie bringt Bewegung in Dinge, die lange stillstanden. Während der Winter eher eine Zeit des Rückzugs und der Sammlung ist, steht der Frühling für den ersten Schritt nach außen. Wir dürfen uns wieder zeigen und aktiv werden. Wenn in Deinem Geburtshoroskop ein persönlicher Planet, Mond, Sonne oder Aszendent im Zeichen Widder steht, wirst Du in dem jeweiligen Lebensbereich eine mutige Grundkonstitution mitbringen. Auch in Pflanzen zeigt sich die Widder-Energie: Bärlauch und Brennnessel sind nur zwei Beispiele für die kämpferische Kraft von Wildkräutern.

Ostara-Ritual zur Neuausrichtung

Samen säen

Hier habe ich Dir ein kleines Ritual für die Ostara-Zeit aufgeschrieben. Es ist unkompliziert, aber sehr machtvoll. Überlege Dir, welchem Wunsch, Thema oder Lebensbereich Du mehr Aufmerksamkeit schenken möchtest und schau der natürlichen Kraft beim Wachsen zu.

Du benötigst: 

  • ein paar Samen (z. B. Kresse, Kräuter oder Blumen)
  • einen Topf mit Erde
  • ein Stückchen Birkenrinde (oder Papier)
  • einen Bleistift

So geht’s:

Schreibe auf die Birkenrinde (oder das Papier) einen Wunsch, ein Vorhaben oder einen Umstand, den Du in diesem Jahr wachsen lassen möchtest.

Vergrabe die Birkenrinde tief im Topf mit der Erde.

Säe die Samen ein und bedecke sie sanft mit Erde. Sprich leise oder innerlich: „Wie diese Samen keimen, so darf auch mein Wunsch wachsen.“

Pflege die Samen in den kommenden Wochen achtsam. Befeuchte regelmäßig die Erde.

Die wachsenden Pflänzchen werden Dich daran erinnern, dass jeder Neubeginn Aufmerksamkeit, Mut, Geduld und Vertrauen braucht. So wird Ostara zu einem bewussten Übergang – vom inneren Winter hin zum lebendigen Frühling.

Der Jahreskreis bei Nature Code

In meiner Arbeit, die ich Nature Code™ nenne, nutze ich den natürlichen Jahreskreis als Orientierung. Die acht Jahreskreisfeste Samhain, Yule, Imbolc, Ostara, Beltane, Litha, Lugnasadh und Mabon spiegeln die Bewegungen der Natur und erinnern uns daran, dass auch unser eigenes Leben zyklisch verläuft. Es gibt z.B. Zeiten für Rückzug und welche für Handlung. Ostara gehört zu den Momenten der Ausrichtung und des Übergangs: zwischen Winter und Wachstum, zwischen Innen und Außen. Es ist dieser Moment im Jahr, in dem Licht und Dunkel gleich stark sind und etwas Neues beginnen darf. Wenn Du mehr über Nature Code wissen möchtest, stöbere gern hier auf meiner Webseite.

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