Gundelrebe_Blätter

Gundelrebe – Zauberkraut zwischen Erde und Anderswelt

Die Gundelrebe, auch Gundermann genannt, gehört zu den Pflanzen, die leicht übersehen werden und gleichzeitig voller zauberhafter Geschichten stecken. Sie wächst unscheinbar an Wegrändern, unter Hecken, auf Wiesen oder im Garten und breitet sich mit ihren langen Ausläufern dicht am Boden aus. Doch gerade diese Nähe zur Erde macht sie seit Jahrhunderten zu einer besonderen Pflanze: als Schutzkraut, als Heilpflanze und als Begleiterin für feine Wahrnehmung.

Ihr botanischer Name Glechoma hederacea verweist bereits auf ihre rankende, efeuartige Wuchsform. In manchen Regionen wird sie auch „Wiesen-Efeu“ genannt. Die Gundelrebe gehört zur Familie der Lippenblütler und zeigt ihre kleinen violett-blauen Blüten meist zwischen April und Mai. Genau dann geschieht etwas Spannendes: Während sie den Rest des Jahres eher kriechend wächst, richtet sie sich zur Blütezeit senkrecht auf, als würde sie sich der Sonne entgegenstrecken.

Ihre herz-nierenförmigen Blätter enthalten ätherische Öle und duften aromatisch-würzig. Dieser Duft erinnert mich an meine Kindheit, in der ich oft durch Wiesen und Wälder streifte. Damals kannte ich den Namen der Gundelrebe nicht, aber ihr würziger Geruch versetzt mich bis heute zurück in diese Zeit, in der ich die Natur voll kindlicher Neugier entdeckte.

Früher wurde Gundelrebe nicht nur in der Volksheilkunde genutzt, sondern auch als Würz- und Bierkraut verwendet. Heute bezeichnet man sie aufgrund ihrer Starkwüchsigkeit oft als „Unkraut“, obwohl sie zu den alten europäischen Zauberpflanzen gehört.

Für Pferde ist die Gundelrebe übrigens giftig und wird von ihnen auf der Weide stehen gelassen. Uns Menschen bereichert sie allerdings unsere Speisen und Getränke mit ihrem würzigen Geschmack und kann ebenso als Heilkraut bei Entzündungen helfen.

Schutz-, Heil- und Zauberkraut

Gundermann

Die Gundelrebe trägt ihre Wirkung bereits in ihrem alten Namen: Gund bedeutete im Althochdeutschen so viel wie Eiter oder entzündliche Erkrankung. Schon daran lässt sich erkennen, wofür diese Pflanze verwendet wurde: zur Reinigung, Klärung und Heilung entzündlicher Prozesse.

Ihre Inhaltsstoffe wie ätherische Öle, Flavonoide, Bitterstoffe und Gerbstoffe wirken entzündungshemmend, zusammenziehend und leicht antibakteriell. Besonders bei kleinen Entzündungen im Mund- und Rachenraum, bei Hautthemen oder Ohrenschmerzen wurde Gundelrebe traditionell eingesetzt.

Ein altes Hausmittel ist beispielsweise das Gundelreben-Blättchen-Öl:
Dafür werden frische Blätter der Gundelrebe gesammelt und von Schmutz gesäubert, aber nicht gewaschen. Die Blättchen werden in ein kleines Schraubglas -fest zusammengepresst- gefüllt und in die Sonne gestellt. Nach einigen Tagen hat sich am Boden des Schraubglases eine helle Flüssigkeit angesammelt, die man mit einer Pipette entnehmen kann: das Gundelreben-Blättchen-Öl. Es wirkt stark wundheilend und kann mehrmals täglich auf schlecht heilende Wunden aufgetragen werden.

Doch Gundelrebe war nie nur Heilpflanze.

Sie galt gleichzeitig als Schutz- und Zauberkraut. In alten Überlieferungen wurde sie verwendet, um verhexte Milch zu entzaubern, negative Energien fernzuhalten oder die eigene Wahrnehmung zu schärfen. Man trug sie als Haarkranz, melkte die Kühe durch einen Gundelreben-Kranz, hing sie über Türen oder räucherte sie zur Reinigung.

Auch geschmacklich ist die Gundelrebe eine besondere Pflanze. Ihre würzig-herbe, leicht minzige Note bringt Tiefe in Wildkräuterlimonaden, Kräuterbutter oder Frühlingsgerichte. Früher wurde sie außerdem zum Bierbrauen genutzt, lange bevor Hopfen das typische Braukraut wurde. Gundelrebe galt als konservierend, stärkend und bewusstseinserweiternd und war damit eine typische Pflanze für Frühlings- und Maifeste.

Gundelreben-Schichtsalz

Kräutersalz

Eine wunderschöne Möglichkeit, die Kraft und Farbe der Gundelrebe haltbar zu machen, ist dieses Kräutersalz aus grünen Blättern und violetten Blüten.

Du benötigst:

  • frische Gundelrebenblätter
  • frische Gundelrebenblüten
  • grobes Steinsalz
  • Mörser
  • Teller & Löffel
  • Schraubglas

So geht’s:

  1. Die frischen Gundelrebenblätter zusammen mit grobem Salz im Mörser zerreiben, bis ein intensiv grünes Kräutersalz entsteht.
  2. In einem zweiten Schritt die frischen violetten Blüten ebenfalls mit grobem Salz mörsern.
  3. Beide Salze getrennt voneinander mehrere Tage auf einem Teller trocknen lassen.
  4. Anschließend das grüne und das violette Salz schichtweise in ein Schraubglas füllen.

So entsteht nicht nur ein aromatisches Kräutersalz, sondern auch ein wunderschönes kleines Naturkunstwerk.

Das Gundelreben-Salz verleiht Speisen einen würzigen Geschmack und erinnert an Frühlingswiesen und lichte Waldränder. Gleichzeitig kann es auch als Ritualsalz verwendet werden als Symbol für Schutz, zur Stärkung der Hellsinne und zur Verbindung zur Erde.

Stärkung der Hellsinne

Gundelrebenblueten

In der Signaturenlehre geben Pflanzen durch ihre Form, ihren Duft, ihren Wuchs oder ihren Standort Hinweise auf ihre Heilkraft und energetische Bedeutung. Und die Gundelrebe zeigt uns eine ganz besondere Signatur: Sie wächst niedrig, nah an der Erde, breitet sich teppichartig aus und verbindet Flächen miteinander. Nur zur Blütezeit richtet sie sich auf, nicht dominant, aber präsent. Ihre violetten Lippenblüten wirken magnetisch für Insekten, insbesondere Bienen und Hummeln.

 Energetisch steht sie daher für:

  • Verbindung
  • Schutz
  • feine Wahrnehmung
  • Sinnlichkeit
  • Präsenz und Klarheit

Ihre Kraft liegt nicht im Lauten, sondern im sanften, beständigen Verbinden. Und genau darin zeigt sich auch ihre Verbindung zum Planeten Venus und zum Tierkreiszeichen Stier.

Die Venus steht astrologisch für Weiblichkeit, Sinnlichkeit und Schönheit. Sie spiegelt sich in den zarten, violetten Lippenblüten der Gundelrebe wider. Und die Venus regiert die Tierkreiszeichen Waage und Stier. Der Stier symbolisiert als Erdzeichen Ruhe, Genuss, Verkörperung und Erdung. Und genau diese Qualität zeigt auch die Gundelrebe: Sie holt uns aus dem Kopf zurück in den Körper. Mit Ihrem Duft und ihrer Erscheinung erinnert sie uns an die Verbindung zu unserer Intuition und an das feine Wahrnehmen dessen, was zwischen Erde und Himmel liegt.

Und vielleicht wurde die Gundelrebe deshalb seit Jahrhunderten mit unseren Hellsinnen verbunden: In alten Überlieferungen galt Gundelrebe als Pflanze der Wahrnehmung. Man sagte, sie könne den Blick öffnen, nicht nur im äußeren, sondern auch im inneren Sinn.

Es heißt, Menschen, die zur Walpurgisnacht Gundelreben-Kränze im Haar tragen, können böse Hexen und negative Energien erkennen. Die Pflanze solle den inneren Blick öffnen und dabei helfen, Täuschungen wahrzunehmen. Gleichzeitig gilt sie als Schutzpflanze gegen genau diese Kräfte.

Dabei geht es weniger um die bösen Hexen aus den alten Märchenbüchern, sondern vielmehr um die Fähigkeit, hinter menschliche Fassaden zu sehen und der eigenen Wahrnehmung wieder zu vertrauen. Und vielleicht liegt genau darin der eigentliche Pflanzenzauber der Gundelrebe: Sie stärkt nicht nur Schutz und Erdung, sondern erinnert uns daran, dass echte Intuition nichts Abgehobenes ist. Sie entsteht dann, wenn wir wieder lernen, mit allen Sinnen wahrzunehmen.

Haarkranz aus Gundelrebe

Gundelrebenkranz

Hast Du auch Lust, Dir einen Gundelreben-Haarkranz zu flechten? Er muss nicht perfekt sein. Gerade das Wilde und Natürliche macht seinen Zauber aus.

Du kannst dafür:

  • frische Gundelreben-Ranken sammeln
  • sie vorsichtig zu einem Kreis flechten
  • den Kranz ins Haar setzen oder als Naturdekoration aufhängen

Beim Flechten entsteht oft etwas sehr Meditatives. Hände, Pflanzen und Aufmerksamkeit verbinden sich miteinander und genau dort beginnt Pflanzenzauber.

Die Gundelrebe bei Nature Code

Bei meiner Arbeit, die ich Nature Code™ nenne, verstehe ich Pflanzen nicht nur als Heilmittel oder als Teil der Natur, sondern als Spiegel, Botschafter und Impulsgeber für innere Prozesse.

Die Gundelrebe erinnert uns daran, dass Schutz nicht Abschottung bedeutet und Wahrnehmung nichts Übernatürliches sein muss. Vielleicht beginnt Intuition genau dort: wenn wir wieder lernen, langsamer zu werden, uns mit der Erde zu verbinden und den leisen Stimmen in uns zuzuhören. Denn viele Antworten entstehen nicht im Denken, sondern im bewussten Wahrnehmen.

Bei Nature Code™ geht es nicht darum, Antworten im Außen zu suchen, sondern darum, wieder wahrzunehmen, was in Dir bereits angelegt ist. Und wenn Du mehr über Nature Code™ wissen möchtest, stöbere gern hier auf meiner Webseite.

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