Weizenfeld

Lughnasadh – Die Kornernte und das erste Brot des Jahres

Ende Juli / Anfang August nehme ich deutlich ein Umschwung in meiner Umgebung wahr: Die Früchte an den Obstbäumen reifen, die Getreidefelder werden gemäht. Früher bin ich dann oft mit meinem Islandpferd Hrannar über die Stoppelfelder galoppiert. Manchmal fühlt es sich nun schon etwas herbstlich an. Ich mag die lauen Abende, abseits der großen Hitze und den frischen Geruch nach einem Gewitter. Und auch für unsere nord- und mitteleuropäischen Vorfahren war diese Zeit etwas besonderes. Mit dem Jahreskreisfest Lughnasadh beginnt ein neuer Abschnitt im Jahreskreis: Die Felder leuchten goldgelb, das erste Getreide wird geerntet und überall zeigt sich die Fülle des Sommers. Was zu Imbolc als unsichtbarer Samen begann, an Ostara keimte, zu Beltane wuchs und zu Litha in voller Blüte stand, beginnt nun Früchte zu tragen. Lughnasadh (auch Lammas oder Schnitterfest genannt) wird traditionell rund um den 1. August gefeiert und liegt zwischen der Sommersonnenwende Litha und der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche Mabon.

Es ist das Fest der ersten Ernte. Doch nicht nur auf den Feldern. Auch in unserem eigenen Leben.

Die Kornernte in der Mythologie

Stoppelfeld

Lughnasadh erinnert an den Sonnengott Lugh (auch Lugus oder Lug), einen der bedeutendsten Götter der keltischen Mythologie. Er gilt als Gott des Lichts, der Handwerkskunst und des schöpferischen Könnens. In verschiedenen Überlieferungen erzählt man, dass Lugh dieses Fest zu Ehren seiner Pflegemutter Tailtiu begründete, die ihr Leben gab, um fruchtbares Land für die Menschen zu schaffen. Im keltischen Irland war der Juli früher ein Hungermonat („Hungry July“), denn die Vorräte waren aufgebraucht und die Menschen erwarteten die neue Ernte. Bis heute wird das Fest Lughnasadh, das Fest der ersten Ernte und damit Ende der Hungerzeit, in Irland gefeiert. Im Zuge der Christianisierung wurde es dem heiligen St. Patrick geweiht, doch der Name und damit die Erinnerung an den Sonnengott Lugh blieb erhalten.

In der nordischen Mythologie wird die Getreideernte oft mit der Geschichte vom Abschneiden der goldenen Haare der Göttin Sif verglichen. Sif, die Frau des Donnergottes Thor, hatte wundervolle weizenblonde lange Haare, die sie sehr pflegte. Eines Nachts, während sie schlief, schnitt ihr der listige Gott Loki die goldenen Haare komplett ab. Als entschuldigende Widergutmachung erhielt Sif von Loki durch Zwergen geschmiedete Ersatz-Haare aus purem Gold. Die blonden Haare von Sif symbolisieren das reife Ährenfeld, das abgeschnitten wird um dann von unsichtbar wirkenden Erdkräften (Zwerge) in neuer Form entsteht. 

In beiden Geschichten können wir erkennen, dass der Beginn der Kornernte ein wichtiger Zeitpunkt im Jahreskreis war und ist. Unsere Vorfahren warteten auf den Beginn der Ernte, die gleichzeitig ein Schnitt, also Abschluss, des Gesäeten bedeutet und der Beginn einer goldenden Zeit der Fülle. Der Hunger war vorbei.

In unsere jetzige Zeit übertragen geht es nun darum, zu ernten, was wir gesät haben. Welche Samen, Impulse, Ideen, Projekte durften seit Imbolc Anfang Februar wachsen? Was davon darf nun abgeschnitten und geerntet werden? Was davon wird uns satt machen?

Hände mit Körnern

Lammas - das erste Brot

Das Fest Lughnasadh wird auch Lammas genannt, was soviel wie Laibmesse oder Brotfest bedeutet, denn aus dem frisch geernteten Getreide wurde traditionell das erste Brot des Jahres gebacken. Und nach dem „Hungry July“ war dieses Brot weit mehr als nur Nahrung. Es war ein Symbol der Dankbarkeit. Daher werden noch heute in vielen Teilen Nordeuropas Brotlaibe als Spirale, Sonne oder Rad geformt – ein Zeichen für den ewigen Kreislauf des Lebens.

Denn das Korn erzählt uns etwas Wesentliches: Ein einzelnes Samenkorn verschwindet in der Erde, eine Pflanze keimt, dringt aus dem Boden, wächst, erst grün, dann golden und bringt viele neue Samenkörner hervor. 

Die Natur kennt keinen Stillstand. Sie kennt nur Wandel.

Brötchen

Dein Brot selbst backen

Vielleicht möchtest Du Lughnasadh in diesem Jahr ganz bewusst erleben und selbst ein Brot backen. Brotbacken ist weit mehr als ein Rezept. Es ist ein langsamer Prozess, der uns an das erinnert, was die Natur uns das ganze Jahr über zeigt: Aus einem kleinen Samen entsteht durch Zeit, Geduld und Hingabe etwas, das nährt.

Ich empfehle, dieses Brot ganz bewusst ohne elektrische Küchenmaschine zu kneten, sondern mit Deinen Händen. Langsam und achtsam. Nutze den Prozess, um Dir Gedanken zu Deinen Projekten, Ideen und Wünschen, die Du Anfang des Jahres hattest zu machen. Was davon nährt Dich mittlerweile? Wofür bist Du dankbar?

Für Dein Lammas-Brot benötigst Du:

  • 500 g Dinkelmehl
  • 1 TL Salz
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 1 TL Honig
  • 3 EL Olivenöl
  • ca. 300 ml lauwarmes Wasser

So geht’s:

  1. Vermische Dinkelmehl, Salz und Trockenhefe in einer großen Rühschüssel miteinander.
  2. Gib Honig, Olivenöl und das lauwarme Wasser hinzu.
  3. Knete den Teig ca. 10 Minuten Minuten achtsam mit Deinen Händen, bis er geschmeidig wird und nicht mehr klebt. Füge ggf. noch etwas Mehl hinzu.
  4. Lasse ihn anschließend mindestens eine Stunde gehen, noch besser einen halben Tag.
  5. Knete den Teig nochmals kurz durch und forme daraus einen großen Brotlaib oder mehrere kleine Brötchen.
  6. Schneide die Oberfläche mit einem scharfen Messer leicht ein und lasse den Teig nochmals etwa 30–60 Minuten ruhen.
  7. Backe das Brot im Backofen bei 200 °C etwa 40 Minuten. Kleine Brötchen benötigen ungefähr 20–25 Minuten.

Lass den Duft Deines frisch gebackenem Brotes auf Dich wirken und nehme Dir einen Moment Zeit, bevor Du das erste Stück anschneidest. Reflektiere den Prozess vom ersten Samenkorn bis zum fertigen Brot. Aus wenigen Zutaten, Deinen eigenen Händen und Zeit entsteht etwas, das Körper und Seele nährt. So wird aus einem einfachen Rezept Dein persönliches Kornernte-Ritual.

Lughnasadh bei Nature Code

In meiner Arbeit, die ich Nature Code™ nenne, verstehe ich die Jahreskreisfeste als Spiegel innerer Prozesse. Lughnasadh erinnert uns daran, dass Wachstum nicht nur bedeutet, ständig Neues zu beginnen. Es bedeutet auch, innezuhalten und anzuerkennen, was bereits entstanden ist. Viele Menschen, die Verantwortung tragen, richten ihren Blick fast automatisch auf das nächste Ziel. Kaum ist ein Projekt abgeschlossen, wartet schon die nächste Aufgabe. Erfolge werden selten bewusst wahrgenommen, sondern sofort durch neue To-do-Listen ersetzt.

Die Natur lebt anders. Sie kennt Zeiten des Säens, des Wachsens und des Erntens. Und sie überspringt keine dieser Phasen.

Vielleicht liegt genau darin die Einladung dieses Jahreskreisfestes: Nicht sofort weiterzugehen. Sondern einen Moment stehen zu bleiben. Zu würdigen, was durch Deine Kraft, Deine Geduld und Dein Vertrauen bereits gewachsen ist. Denn erst wer seine Ernte erkennt, kann bewusst entscheiden, welche Samen im kommenden Zyklus gesät werden sollen.

Bei Nature Code™ geht es nicht darum, Antworten im Außen zu suchen, sondern darum, wieder wahrzunehmen, was in Dir bereits angelegt ist. Und wenn Du mehr über Nature Code™ wissen möchtest, stöbere gern hier auf meiner Webseite.

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