Sommersonnenwende

Sommersonnenwende – das Fest des längsten Tages

Wenn die Sonne ihren höchsten Stand am Himmel erreicht und die Nacht so kurz ist wie an keinem anderen Tag des Jahres, findet die Sommersonnenwende statt. Rund um den 21. Juni beginnt astronomisch der Sommer auf der Nordhalbkugel. Es ist der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Im Wicca-Jahreskreis wird dieses Fest Litha genannt und in skandinavischen Ländern Mittsommer. Seit Jahrtausenden beobachten Menschen diesen besonderen Moment. Steinkreise, Kultstätten und Sonnenheiligtümer vieler alter Kulturen sind auf die Sonnenwenden ausgerichtet. Denn die Bewegung der Sonne bestimmte den Rhythmus des Lebens: Aussaat und Ernte, Arbeit und Ruhe, Feste und Übergänge. Doch die Sonnenwenden sind mehr als ein astronomisches Ereignis. Sie erinnern uns an eine der tiefsten Wahrheiten der Natur:

Alles verläuft in Zyklen.

Wachstum und Rückzug.
Licht und Dunkel.
Werden und Vergehen.

Nichts bleibt für immer. Und gerade deshalb ist jeder Augenblick kostbar.

Litha und Yule - die beiden Sonnenwenden

Im Jahreskreis stehen sich die Sommersonnenwende Litha und die Wintersonnenwende Yule gegenüber. Zu Yule rund um den 21. Dezember herrscht die längste Dunkelheit auf der Norhalbkugel. Die Natur ruht, die Samen liegen geschützt in der Erde und warten auf Licht und Wärme. Nach der Wintersonnenwende werden die Tage langsam länger, das Licht wird neu geboren. Es ist kein Zufall, dass wir in dieser Zeit Weihnachten, die Geburt Jesus, feiern – auch er wird als das Licht der Welt bezeichnet. 

Zur Sommersonnenwende Litha steht die Natur in voller Blüte: Rosen, Holunder und Lindenbäume blühen. In den hochgewachsenen Wiesen summt und brummt es und wir können erste Früchte wie Erdbeeren und Johannisbeeren ernten. Das Licht hat seinen Höhepunkt erreicht. Doch genau mit diesem Höhepunkt beginnt bereits ein Abschied, denn ab jetzt werden die Tage wieder kürzer. In der nordischen Mythologie wird deshalb von dem Tod des Sonnengottes Baldur erzählt. Diese Geschichte wurde während der Christianisierung auf Johannes, den Täufer von Jesus übertragen: Im Volkglauben wird auch er zur Sommensonnenwend-Zeit getötet. Die katholische Kirche datiert allerdings den Geburtstag von Johannes auf den 24. Juni -genau 6 Monate nach Jesu Geburt- und widmet ihm diesen Tag (Johanni).

Im Johanniskraut Hypericum perforatum zeigt sich diese Symbolik besonders deutlich: Sein roter Pflanzensaft wurde mit dem Blut des sterbenden Baldurs oder Johannes verglichen, während seine goldenen Blüten, die genau zu dieser Zeit beginnen zu blühen, das Licht der Sonne spiegeln.

Viele weitere Heilpflanzen sind rund um die Sommersonnenwende sehr kraftvoll. Sie werden traditionell genau zu dieser Zeit gesammelt und getrocknet, um sie für die dunkle Jahreszeit aufzubewahren. Ein paar von Ihnen stelle ich Dir im folgenden vor.

Sonnenwendkräuter

Strauß Johanniskraut

Johanniskraut - gespeichertes Sonnenlicht

Johanniskraut

Kaum eine Pflanze ist so eng mit der Sommersonnenwende verbunden wie das bereits erwähnte Johanniskraut Hypericum perforatum. Häufig beginnt es rund um den Johannistag am 24. Juni zu blühen. Zerreibt man seine Blüten zwischen den Fingern, tritt der rote Pflanzensaft hervor, der an das Blut des Sonnengottes erinnern soll. Die goldgelben Blüten gelten bis heute als Lichtbringer und Schutz gegen dunkle Gedanken.

Aus Blüten und Knospen wird nun traditionell Johanniskrautöl (oder Rotöl) hergestellt, das wärmend und beruhigend auf Haut und Nerven wirkt (Achtung, es macht auch lichtempfindlich).

Holunder - Baum zwischen den Welten

Holunder

Der Holunder Sambucus nigra steht häufig genau bis zur Sommersonnenwende in voller Blüte. In alten Überlieferungen gilt er als heiliger Baum der Frau Holle, jener Göttin, die über Leben und Tod, Werden und Vergehen wacht. Unter einem Holunderbaum sollte man sich achtsam verhalten, denn er verbindet die sichtbare mit der unsichtbaren Welt. Früher gehörte deshalb auf fast jeden Hof ein Holunder als lebendige Hausapotheke. Seine Blüten werden als Tee traditionell bei Fieber eingesetzt und lassen sich jetzt wunderbar sammeln und trocknen.

Rose - die Blüte der Venus

Zur Sommersonnenwende erreicht die Rosenblüte ihren Höhepunkt. Kaum eine Pflanze steht so sehr für Liebe, Schönheit und Hingabe wie die Heckenrose Rosa canina und ihre kultivierten Verwandten. In vielen Kulturen wurde sie der Venus geweiht, der Göttin der Liebe und Weiblichkeit. Ihre weichen Blüten und schützenden Dornen erinnern uns daran, dass Verletzlichkeit und Stärke zusammengehören. Rosenblüten können jetzt getrocknet und für Teemischungen oder für Naturkosmetik verwendet werden.

Schafgarbe - Augenbraue der Venus

Schafgarbe

Die Schafgarbe Achillea millefolium gilt seit Jahrhunderten als Heil- und Schutzpflanze, vor allem für Frauen. Ihre fein gefiederten Blätter erinnern an eine Augenbraue, weshalb sie auch die „Augenbraue der Venus“ genannt wird. Als klassisches Frauenkraut unterstützt sie traditionell bei Menstruations- und Magen-Darm-Beschwerden. Äußerlich wird sie zur Wundheilung eingesetzt. Zur Sommersonnenwende gesammelt, eignet sie sich wunderbar für Tees oder selbstgemachte Wundsalben.

Beifuß - Pflanze der Schwellen

Beifuß

Der Beifuß Artemisia vulgaris gehört zu den ältesten Ritualpflanzen Europas. Zur Sommersonnenwende wurde er zu Gürteln gebunden oder ins Feuer gegeben, um sich vor schadhaften Energien zu schützen. Als Räucherpflanze reinigt er Räume, vor allem in Übergangszeiten wie Krankheit, Umzug oder Streit, und stärkt die Verbindung zu unseren Ahnen. Gleichzeitig unterstützt er als Tee oder Gewürz den Verdauungsprozess. Aufgrund seiner wehenfördernden Wirkung sollte er in der Schwangerschaft jedoch gemieden werden.

Königskerze - Fackel des Sommers

Koenigskerze

Rund um die Sommersonnenwende beginnt die großblütige Königskerze Verbascum densiflorum zu blühen. Mit ihren leuchtend gelben Blüten ragt sie wie eine Kerze oder Fackel in den Himmel. Ihre vertrockneten Stängel wurden früher in Pech getaucht und in der Winterzeit als Fackeln genutzt. Sie erinnert uns daran, dass Licht selbst in dunklen Zeiten weitergetragen werden kann. Getrocknete Blüten eignen sich wunderbar für Räuchermischungen in dunklen, angespannten Zeiten.

Kamille - die kleine Sonne der Erde

Kamille

Die Blüten der Echten Kamille Matricaria chamomilla erinnern an kleine Sonnen. In der nordischen Mythologie wurde sie deshalb dem Sonnengott Baldur geweiht. Rund um die Sommersonnenwende gesammelte Kamillenblüten gelten als besonders heilkräftig. Ihre Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend, krampflösend und wundheilend. Kamillenblüten werden traditionell als Tee bei Bauchschmerzen oder als Tinktur bei Zahnfleischentzündungen eingesetzt.

Linde - Baum der Gemeinschaft

Die Sommerlinde Tilia platyphyllos verströmt zur Sommersonnenwende ihren süßen Duft und zieht zahlreiche Bienen und andere Insekten an. Seit Jahrhunderten gilt die Linde als Baum der Gemeinschaft. Unter Dorflinden wurde getanzt, gefeiert und geküsst. In der nordischen Mythologie wird sie daher mit der Göttin Freya verbunden, der Göttin für Liebe und Fruchtbarkeit. Ihre herzförmigen Blätter spiegeln diese Verbindung zu Liebe und fröhlicher Gemeinschaft. Die wundervoll duftenden Lindenblüten können getrocknet oder in Honig eingelegt werden und bewahren uns damit ein Stück Sommer für die dunklere Jahreszeit.

Die Sommersonnenwende bei Nature Code

Bei meiner Arbeit, die ich Nature Code™ nenne, verstehe ich die Jahreskreisfeste als Spiegel innerer Prozesse. Die Sommersonnenwende erinnert uns daran, die Fülle wahrzunehmen. Nicht nur die Fülle dessen, was wir besitzen, sondern die Fülle dessen, was in diesem Jahr bereits gewachsen ist:

Erfahrungen,
Beziehungen,
Erkenntnisse,
Vertrauen.

Vielleicht ist die Sommersonnenwende deshalb weniger ein Fest des MEHR, sondern ein Fest, um die vorhandene Fülle dankbar wahrzunehmen. Ein Innehalten am Höhepunkt des Lichts. Denn so, wie die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, gibt es auch in unserem Leben Zeiten der Blüte. Und vielleicht besteht die Kunst nicht darin, diese festzuhalten, sondern darin, sie bewusst und dankbar zu erleben.

Bei Nature Code™ geht es nicht darum, Antworten im Außen zu suchen, sondern darum, wieder wahrzunehmen, was in Dir bereits angelegt ist. Und wenn Du mehr über Nature Code™ wissen möchtest, stöbere gern hier auf meiner Webseite.

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